VIP-GOV-007
Governance-Modell
1. Zweck
Dieses Dokument definiert die Governance-Architektur des VeriSeal Integrity Protocol (VIP).
Es legt fest:
- Governance-Prinzipien
- Struktur der Standardpflege
- Änderungsverfahren
- Zertifizierungsaufsicht
- Interessenkonflikt-Schutzmaßnahmen
Das Ziel ist sicherzustellen, dass VIP als glaubwürdiger, neutraler und international skalierbarer Integritätsstandard fungiert.
2. Governance-Prinzipien
Der VeriSeal-Standard wird durch fünf Kernprinzipien geregelt:
2.1 Neutralität
Der Standard muss bleiben:
- Anbieterneutral
- Infrastrukturneutral
- Jurisdiktionsneutral
Keine einzelne Entität darf die einseitige Kontrolle über die Weiterentwicklung des Protokolls ausüben.
2.2 Transparenz
Alle normativen Dokumente müssen:
- Öffentlich zugänglich
- Versionskontrolliert
- Rückverfolgbar
- Archiviert
Änderungen müssen eine dokumentierte Begründung enthalten.
2.3 Determinismus
Governance-Entscheidungen dürfen nicht verändern:
- Gültigkeit historischer Nachweise
- Deterministische Verifikationsverfahren
- Rückwärtskompatibilitätsgarantien (außer durch explizite Versionierung)
2.4 Unabhängigkeit
Die Zertifizierungsstelle muss strukturell getrennt sein von:
- Gewerblichen Betreibern
- Hosting-Anbietern
- Ankeranbietern
- API-Anbietern
Dies verhindert systemische Interessenkonflikte.
2.5 Stabilität über Agilität
VIP priorisiert langfristige strukturelle Integrität über schnelle Feature-Entwicklung.
Das Protokoll ist für archivale Zeiträume ausgelegt, nicht für schnelle Produktiterationszyklen.
3. Governance-Struktur
3.1 Standardbehörde
Die Standardbehörde ist verantwortlich für:
- Pflege normativer Dokumente
- Genehmigung von Änderungen
- Überwachung des Zertifizierungsrahmens
- Aufrechterhaltung der Registerintegrität
Die Behörde muss unter einer formellen Satzung operieren.
3.2 Technisches Komitee
Das Technische Komitee:
- Überprüft vorgeschlagene Änderungen
- Bewertet Sicherheitsforschung
- Aktualisiert Bedrohungsmodell-Dokumentation
- Schlägt Versionsinkremente vor
Mitglieder sollten umfassen:
- Kryptographie-Experten
- Systemingenieure
- Institutionelle Vertreter
3.3 Zertifizierungsaufsichtsrat
Der Aufsichtsrat:
- Überwacht Zertifizierungsstellen
- Überprüft Audit-Standards
- Validiert Compliance-Prozesse
- Bearbeitet Streitfälle
4. Änderungsverfahren
Änderungen folgen einem strukturierten Lebenszyklus:
- Einreichung des Vorschlags
- Technische Überprüfung
- Öffentliche Konsultation (falls zutreffend)
- Abstimmung zur Genehmigung
- Versionszuweisung
- Veröffentlichung
4.1 Versionierungsmodell
VIP folgt der semantischen strukturellen Versionierung:
- Hauptversion: Strukturelle Änderung
- Nebenversion: Additive Änderung
- Patch-Version: Klarstellung ohne strukturelle Auswirkungen
Rückwärtskompatibilität muss ausdrücklich erklärt werden.
5. Sicherheitsreaktionsprozess
Wenn Schwachstellen entdeckt werden:
- Verantwortliches Offenlegungsverfahren aktiviert
- Technische Bewertung durchgeführt
- Auswirkungen klassifiziert
- Leitlinien zur Minderung herausgegeben
- Änderung vorgeschlagen (falls erforderlich)
Bedrohungsmodell-Updates müssen VIP-THREAT-001 referenzieren.
6. Zertifizierungsgovernance
VIP-GOV-007 regelt:
- Akkreditierung der Zertifizierungsstelle
- Verfahren zur Zertifizierungsaussetzung
- Validierung der Registerintegrität
- Durchsetzung der Label-Nutzung
Die Zertifizierungsgovernance muss unabhängig von Implementierungsanbietern bleiben.
7. Internationalisierungsstrategie
VIP-Governance muss ermöglichen:
- Annahme in mehreren Jurisdiktionen
- Regionale Implementierung ohne Fragmentierung
- Grenzüberschreitende Interoperabilität
Lokalisierung darf die grundlegenden deterministischen Eigenschaften nicht verändern.
8. Register-Governance
Das öffentliche Register muss sicherstellen:
- Unveränderliche Zertifizierungsaufzeichnungen
- Öffentlicher Verifizierungszugang
- Widerrufstransparenz
- Historische Rückverfolgbarkeit
Die Registerintegrität ist Teil der Governance-Verantwortung.
9. Interessenkonflikt-Richtlinie
Jedes Mitglied der Governance muss offenlegen:
- Gewerbliches Interesse an Implementierungen
- Finanzielle Interessen an Zertifizierungsstellen
- Direkte Teilnahme an Audit-Prozessen
Konflikte müssen durch Befangenheit gemindert werden.
10. Langfristiges Ziel
Das Governance-Modell zielt darauf ab:
- Den Übergang zur formellen internationalen Standardisierung zu ermöglichen
- Strukturelle Neutralität zu bewahren
- Institutionelle Glaubwürdigkeit zu erhalten
- Proprietäre Vereinnahmung zu vermeiden
VIP soll sich von einem industriegetriebenen Protokoll zu einer weltweit anerkannten Integritätsreferenz entwickeln.